Das echte Bild aufzeigen.

9. Juni 2021
Flut von Datenmedien, Datenflut

„Das echte Bild aufzeigen“ – Internationale Public Affairs Experten zum PANTARHEI White Paper – Die Zukunft des Lobbying.

Haben Sie sich in letzter Zeit gefragt, wie Sie sich in einem Umfeld Gehör verschaffen können, das von zunehmender Lautstärke, emotionaler Zuspitzung und dem erbitterten Kampf um Aufmerksamkeit geprägt ist? Während der regionale Wochenmarkt ohne die Gilde der Marktschreier kaum vorstellbar ist, haben nicht wenige gerade mit Blick auf den digitalen Marktplatz der politischen Willensbildung zunehmend das Gefühl, „nur die, die am lautesten schreien, werden auch gehört“.

Gerade in einer Zeit, die von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozessen maßgeblich geprägt wird, besteht vielerorts das Bedürfnis und die Notwendigkeit, sich aktiv in die Gestaltung dieser Umbrüche einzubringen. Dies wirft die Frage auf, wie sich professionelle Public Affairs Experten auf dem neuen Spielfeld der politischen Willensbildung zurechtfinden. Welche Herausforderungen ergeben sich konkret aus dieser Entwicklung und inwiefern verändert sich damit einhergehend das berufliche Anforderungsprofil für Public Affairs Professionals?

Zu diesen Fragen haben sich Gilbert Rukschcio, Mansur Philipp Gharabaghi und Darius Pidun von Pantarhei Advisors mit renommierten Experten und Public Affairs Professionals auf europäischer Ebene im Rahmen eines interaktiven, digitalen Workshops ausgetauscht. Veronika Möller (Head of EU Representation der Wirtschaftskammer Österreich), Peter Schmitt (Head of EU Office der Henkel AG), Bettina Resl (Head of Communication bei Sanofi Österreich) und Adrianna Pawlowska (Senior Project Manager bei RHI Magnesita) brachten hierbei ihre Einschätzungen und Expertise aus langjähriger Erfahrung im Bereich Politik und Public Affairs ein.

Folgende Erkenntnisse sind basierend auf dem White Paper von PANTARHEI gemeinsam mit den Experten herausgearbeitet worden.

1. Kommunikative Kompetenz – Vom Wahlfach zur Grundvoraussetzung

Als Teil der „alten Public Affairs Logik“ stellten inhaltliche Kompetenz, der souveräne Außenauftritt sowie die von Glaubwürdigkeit geprägte Reputation den wohl wichtigsten Grundakkord wirksamer Interessensvertretung dar. Dieser Dreiklang verliert auch in Zukunft nicht an Bedeutung, doch die zu bespielende Klaviatur hat sich maßgeblich erweitert.

Ein Blick in den gegenwärtigen Politkosmos reicht aus, um festzustellen, dass sich in der Medienöffentlichkeit von heute professionalisierte Kommunikationsarbeit von einem kostspieligen Add-On zu einem integralen Kernbestandteil der alltäglichen Arbeitspraxis gewandelt hat. Bezeichnend dafür steht die nun übliche Besetzung eines typischen Ministerien Kabinetts, das mittlerweile zur Hälfte aus Kommunikationsexperten besteht. Auch auf Public Affairs Ebene weiß man um die zunehmende Bedeutung maßgeschneiderter Kommunikation der eigenen Botschaften, die hinsichtlich Faktoren wie der grafischen Ausarbeitung, gewählter Bildsprache oder der entsprechenden Komplexitätsreduzierung, frei nach dem Motto: „Was nicht auf einen One-Pager passt, ist zuviel“, nichts dem Zufall überlässt.

Unter den Diskutanten bestand insofern der breite Konsens, dass gerade die Auswahl und die akkurate Bespielung von den aus Sicht des jeweiligen Akteurs relevanten Kanälen, den deutlichen Ausbau von professionellem Know-how erfordert.

2. Die Industrie als Sinusknoten unseres Wohlstands

Mit dem neuen Primat der Ökologie und den daraus hervorgehenden Klimaschutzambitionen der EU ist die Industrie in den Mittelpunkt des stark zunehmenden politischen Regulierungseifers geraten. Die angestrebte Green Economy und der damit verbundene Umbau der europäischen Wirtschaft führen mitunter dazu, dass sich die Industrie zusehends in den Verteidigungsmodus begeben hat. So verwundert es nicht, wenn nach breiter Zustimmung unter den Experten gegenwärtige Public Affairs Kampagnen primär von der Einhaltung von Compliance-Regeln und der Abwehr von Angriffen charakterisiert sind.

NGOs wie Friday for Future dringen aufgrund ihrer beachtlichen Kampagnenfähigkeit auf mustergültige Weise zur Politik durch und geben somit den Ton in der neuen Arena politischer Willensbildung an. Bezeichnend dafür, stehen nicht nur die Anhebung von CO2-Reduktionszielen oder des „grünen“ KPIs als zentraler Bewertungsfaktor nationaler Recovery-Pläne, sondern vielmehr der grundsätzliche Aufstieg des Klimaschutzes zum alles dominierenden Kernthema der öffentlichen Debattengegenwart. Schon allein vor diesem Hintergrund lohnt sich der Perspektivwechsel verbunden mit der Frage: „Was kann die Industrie von umweltaktivistischen Kampagnen lernen“, oder zugespitzt, „wie müsste die Industrie kampagnisieren, um wie eine NGO wieder gehört zu werden?“

Mit Blick auf diese Fragestellung zeigten die Diskutanten die Notwendigkeit auf, ein „reales Bild der Industrie“ zu skizzieren, das anhand von Emotionalisierung und eines klaren Narrativs verdeutlicht, welchen Stellenwert die Industrie für den Lebensalltag und den Wohlstand unserer Gesellschaft wirklich einnimmt.

3. Die Datenflut erfordert neues Datenmanagement und Softwarelösungen

Innerhalb einer Minute werden im Internet rund 100 000 Tweets via Twitter abgesetzt, 70 Millionen Nachrichten über WhatsApp und 15 Millionen Emails verschickt – Tendenz stark steigend! Gerade die Berufswelt der Public Affairs Spezialisten, in der die Verarbeitung von neuen Entwicklungen und Nachrichten zu Botschaften an den eigenen Empfängerkreis zum festen Bestandteil der Tagesordnung gehört, sieht sich diesem Informations-Tsunami ausgesetzt.

Up to date zu bleiben, Informationen analytisch auszuwerten und die entsprechende Relevanz empfängergerecht aufzuzeigen, wird nach Einschätzung unserer Experten zu einer stetig wachsenden Herausforderung. Um mit der Sturmflut an Informationen schrittzuhalten, die in Zukunft an Geschwindigkeit weiter rasant zunehmen wird, werden unterstützende Analysetools und Auswertungssoftwares unabdingbar.

Es wird deutlich, dass die moderne, zunehmend datengetriebene Prozesssteuerung in Public Affairs Organisationen sowohl in der Verarbeitung als auch im Zuge der maßgeschneiderten Aufbereitung für Empfänger einen grundsätzlichen internen Professionalisierungsschub voraussetzt, der das technische Rüstzeug für die Zukunft moderner Interessensvertretung mitberücksichtigt.

Wie nehmen Sie diese Entwicklungen wahr? Schreiben Sie uns unter [email protected]. Wir freuen uns auf den weiteren Austausch mit Ihnen zum Thema Digital Public Affairs.